PG Maria an der Sonne

Gedanken zum 19. März zum Festtag des Heiligen Josef

Mitten in allen Verunsicherungen und der Erfahrung der Verwundbarkeit des je persönlichen Wohlergehens, wie der Verwundbarkeit des Wohlstands unserer Gesellschaft, in dieser, die ganze Erde umklammernden bedrohlichen Situation, da uns als Menschheit vor Augen geführt wird, wo die Grenzen des Machbaren und Beherrschbaren liegen, stellt uns die Kirche die Gestalt des Heiligen Josef vor Augen. Kommt er uns nicht wie gerufen? Denn wer könnte noch die Augen davor verschließen, wie in diesen Tagen das Verhalten jedes Einzelnen weitreichende Konsequenzen für so Viele haben kann und deswegen auf den Schultern von einem Jeden und Jeder von uns, Verantwortung für das Ganze ruht, die es auch wahr-, an-, und ernstzunehmen gilt. Nach Mt 1,18 ff hat sich der Heilige Josef in einer undurchschaubaren und unabsehbaren Lebensherausforderung nicht nur als kühler Kopf gezeigt, sonden auch als ein Mensch mit Tiefe des Herzens und Tiefe des Glaubens. Wenn diese biblische Erzählung vom Träumen und einer Engelserscheinung spricht und diesen himmlischen Einfall dem Handeln des Heiligen Josef vorausschickt, macht diese Erzählweise nicht eine Art religiöser Schwärmerei anschaulich, die die Realitäten verkennt und alles nur Gott überlässt. Es geht vielmehr um diese Kommunionkationsform des Glaubens, die die Wahrnehmungen des Lebens eben auch in den Horizont des Austauschs mit dem Göttlichen stellt. Ob wir das jetzt Gebet nennen, Meditation, Stille oder Einkehr. Auf jeden Fall ist es konspirativer Austausch mit der anderen Sphäre, um Handlungsinpirationen für dieses Leben zu finden. Josef, der seinem Traum getraut hat, hat dabei gerade nicht die Situation „verschlafen“ einfach nur hingenommen und die Augen davor zugemacht. Noch hat er umgekehrt angstvoll nur einfach dafür schwarz gesehen. Eher aufgeweckt und klar hat er in dieser Lebenslage gehandelt und wohl auch verstanden, Gottes Wirken in der Welt geschieht nicht am Menschen vorbei, sondern durch den Menschen. So wird Josef zum Lebensbeschützer für seine Nächsten, findet einen Ausweg aus vermeintlich aussichtsloser Situation. Vielleicht konnte er seinen Mann stehen und Menschen sich an ihn anlehnen, weil er selbst in Gott gestanden hat und auch von dieser Perspektive her das Leben verstehen konnte. „Fürchte Dich nicht“, das Eröffnungswort in der Botschaft des Engels lässt den Ernst der Lage nicht verkennen, aber auf Gott vertrauend, auch nach Handlungsweisen aus dieser Perspektive suchen.

Danken wir in diesen Tagen allen „Josefsgestalten“, die im Dienst für die Gemeinschaft ihren Mann und ihre Frau stehen, und das unter ganz besonderer Beanspruchung und wahrlich für sie persönlich auch herausfordernden Lebenssituationen: Ob in der Politik, ob in den medizinischen Einrichtungen, ob in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, ob in den Sozialstationen, ob hinter den Theken und an den Kassen, ob in den Praxen, oder ob in zivilgesellschaftlich und ehrenamtlich engagierter Nächsten- und Nachbarschaftshilfe. Uns Christen steht es ja gut an, Gebet und Tat, Gottvertrauen und Engagement in diesen Tagen in unseren Möglichkeiten zu verbinden. Und vielleicht auch das von der Josefsgestalt zu lernen: Die eigenen Begehrlichkeiten und die eigenen Interessen zum Wohle anderer zurückzustellen. Von dieser Glaubensgestalt ist in der biblischen Überlieferung ja kein einziges von ihm gesprochenes Wort überliefert - „ein Schweigen, das der Rede wert ist“. Vielleicht kann es uns einladen, auch manches in diesen Tagen schweigend zu bedenken und darüber nachzudenken, anstatt mit vorschnellen Worten und vermeintlichen Neuigkeiten, Verunsicherungen zu verstärken, Gerüchte in die Welt zu setzen oder aber auch diese wahrlich große Herausforderung ins Banale oder Lächerliche zu ziehen. Gott befohlen. Ihr Matthias Rosenberger 

­