PG Maria an der Sonne

Werte Mitchristen,Werte Mitchristen,
Friedrich Nietzsche, der bekannte Religionskritiker des 19. Jahrhunderts nannte das Christentum provozierend ein „Lob der Schwäche“. Es ist wohl das Kreuz, um das sich ja im Letzten unser Glaube dreht, und das Dreh- u. Angelpunkt der Hl. Woche ist, das als Zielscheibe solcher Verächtlichmachung unseres christlichen Glaubens herhalten muss.

Nietzsche zielt wohl auch auf uns Christen ab, als die, die unter das Kreuz fliehen, weil sie sich als „Schwächlinge“ oder als „Verlierer“ im Leben fühlen.Wir Christen sehen das Kreuz nicht als Flucht, weil wir es mit dem Leben nicht aufnehmen könnten, sondern als Zufluchtspunkt für ganz andere schwächelnde Momente im Leben. Schwächelnde Momente, wo nicht nach den Machtverhältnissen der Welt wir uns als schwach erweisen, sondern wo Schwäche unter die Haut geht: Schwäche in unseren Herzen, wo wir der Widermacht des Lebens, dem Bösen unterliegen. Denn am Kreuz werden die Machtverhältnisse auf den Kopf gestellt: Ohnmacht, die nicht ohnmächtig ist, sondern in der Sicht unseres Glaubens sich als Übermacht der Liebe erweist. Und solch eine Liebe kann nur als übermenschlich und damit als göttlich verstanden werden.Der am Kreuz ist ja nur auf den ersten Blick der Entstellte, bei näherem Hinschauen erkennt man, er ist nur das Opfer von all den Ausschlägen, die das wahre Menschsein wirklich entstellt. Im Kreuz wird anschaulich, was herauskommt, wenn Menschen sich hinreißen lassen von Wut, Hass, Intoleranz und Wahn. Es setzt in Szene und hält uns einen Spiegel vor, wie entfesselt Menschen reagieren können, wenn man nur ein Opfer gefunden und einen Sündenbock ausgedeutet hat. Es entlarvt, wie sich Aggressionen entladen und übertragen können aus der Quelle eigener Unsicherheit und eigenen Verletztseins. Es sind ja nicht nur die Volltreffer mit Hammer und Nägel, mit Lanze und Faust, die das Kreuz dokumentiert. Nein, es legt auch Wunden frei, die entstehen können, wenn Worte, Gesten und Gedanken, wie Waffen gegen einen anderen gerichtet werden. All dieses Böse geht nicht ins Leere. Es trifft damals, wie heute. Wenn aber immer nur „Rück-Schläge“ des Geschlagenen auf den Zuschlagenden die Antwort sind, dann bleibt die ewig heillose Spirale des „wie du mir, so ich dir“. Es muss eine andere Antwort geben, die sich aller menschlichen Aggressionen so annimmt und es mit ihnen aufnimmt, sodass sie nicht mehr fortgeführt werden. Das Kreuz ist keine vordergründige Siegestrophäe des Glaubens, es ist schon gar nicht ein Ruhmesblatt des Menschen, sondern es ist ein Hoffnungsbild, das alles Finstere am Menschsein und alles Fürchterliche und Furchterregende, was aus uns Menschen hervorgehen kann und von dem sich auch Gott treffen lässt durch ihn nicht mit gleicher Münze zurückgezahlt wird, sondern umgemünzt wird in ein: „Ich mag dich trotzdem leiden“. Einmal und einmalig hat sich die Liebe Gottes am Kreuz der Gewalt des Menschen unterlegen gegeben, damit sie sich ein für allemal als dem überlegen erweist. Deswegen ist die Botschaft des Kreuzes für uns zusammen zu sehen, mit dem Ereignis des Ostermorgens, jenem Hoffnungsschein, der quasi von hinten das Kreuz beleuchtet und in ein anders Licht rückt. Der, der Liebe Gottes in seinem irdischen Leben völligen Raum gegeben und der für diese Liebe aufs Ganze gegangen und gestorben ist, hat nicht verloren und hat sich in seinem Sterben nicht verloren. Er kehrt ins Leben zurück. Er wird den ersten Zeugen und Zeuginnen in den österlichen Erscheinen begreifbar, in jenen einmaligen Momenten, wo für Augenblicke die Ewigkeit in die Zeit eingetreten ist. Allerdings müssen gerade diese ersten Zeugen und Zeuginnen auch begreifen lernen: Diese göttliche Liebe in Person lässt sich im Ostergeheimnis nicht mehr in den Grenzen von Raum und Zeit festhalten. Sie wird wieder, was sie vor ihrer Menschwerdung war: ewig. Und genau so bleibt sie gültig für alle Zeiten und allgegenwärtig über alle begrenzte Räumlichkeit hinaus. Nicht unsere Identifizierung mit einem starken Gott steht im Vordergrund unseres christlichen Glaubens, sondern die Identifizierung Gottes mit uns Menschen, mit unseren Schwachpunkten, unseren Verletzungen und unserem letzten wunden Punkt, dem Tod. Der Ostersieg, den wir als Ereignis von Jerusalem feiern und als Zukunftsereignis fürs himmlische Jerusalem erhoffen, ist eben kein Sieg, der Besiegte zurücklässt und Menschenopfer kostet. Nein, es ist der Eine, der das Opfer für diesen Sieg gebracht hat und gezeigt hat, es gibt eine Liebe, die verwandelt alles Gottfeindliche im Menschen in die entgegenkommende Freundschaft und Freundlichkeit Gottes zum Menschen. Ostern lässt keinen Menschen als Verlierer zurück. Allen gilt die Verheißung der ewigen Liebe und des ewigen Leben Gottes.Diese Osterhoffnung, die über allen Zeiten steht, schenke uns auch in diesen, nicht einfachen Zeiten des Jahres 2021 ein gesegnetes Osterfest. 
Ihr Matthias Rosenberger

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